CDU-Kreisvorsitzender Ralph Brinkhaus: „Ein lebendiger Verband ohne Hinterzimmerpolitik“

Zeitungsausschnitt vom Freitag, 17. April, Gütersloher Ausgabe
Zeitungsausschnitt vom Freitag, 17. April, Gütersloher Ausgabe "Die Glocke".
Unter obiger Überschrift veröffentlichte die Tageszeitung "Die Glocke" heute (17. April) nachfolgendes Interview mit dem neuen Kreisvorsitzenden Ralph Brinkhaus:
Von unserem Redaktionsmitglied MARTIN NEITEMEIER - Kreis Gütersloh (gl). Am 30. März ist Ralph Brinkhaus (40) einmütig zum neuen Vorsitzenden des CDU-Kreisverbands Gütersloh und Nachfolger von Ludger Kaup gewählt worden. Über seine neue Aufgabe, seine Ziele und seine künftigen Schwerpunkte sprach „Die Glocke“ mit dem 40-jährigen Steuerberater aus Gütersloh.

„Die Glocke“: Herr Brinkhaus, wie fühlen Sie sich nach gut zwei Wochen auf dem doch eher ungewollten CDU-Chefposten?
Brinkhaus: Ich taste mich gerade an die gewaltige Aufgabe heran, schließlich gestaltet die CDU in den meisten Kommunen verantwortlich die dortige Politik. Es stimmt, dass ich den Kreisvorsitz nicht angestrebt habe, aber durch den Rückzug von Ludger Kaup hat sich das so ergeben.

„Die Glocke“:
Heißt dass, Sie haben sich mit der Führungsrolle schon angefreundet?
Brinkhaus: Ich bin schon gut dabei. In den vergangenen Wochen hat sich bereits gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, ein Bundes- oder Landtagsmandat mit dem Kreisvorsitz zu verknüpfen. Bei vielen Terminen gibt es Synergieeffekte. Im Übrigen war das bei Hubert Doppmeier und Hubert Deittert nicht anders.

„Die Glocke“: Wie interpretieren Sie die 100-prozentige Zustimmung? Brinkhaus: Das ist ein großer Vertrauensvorschuss. Meine Wahl und auch die der übrigen Vorstandsmitglieder hat gezeigt, dass der Kreisverband sehr geschlossen dasteht.

„Die Glocke“: Aber sind die Verler mit der Kandidatur von Helmut Kaltefleiter für einen Vizeposten nicht erneut ausgeschert?
Brinkhaus: Nein, das sehe ich nicht so. Die Verler sind ein starker Verband. Da ist es legitim, sich auch um einen stellvertretenden Vorsitz zu bemühen. Wären die etablierten Amtsinhaber nicht alle wieder angetreten, hätte das klappen können. Helmut Kaltefleiter wird sich aber auch als Beisitzer gewohnt intensiv in den Vorstand einbringen.

„Die Glocke“: Die erste Vorstandssitzung unter ihrer Regie hat in dieser Woche stattgefunden. Haben Sie eine Regierungserklärung abgegeben? Brinkhaus: So möchte ich das nicht nennen. Ich bin aber der Meinung, dass die CDU noch mehr als größte politische Bürgerbewegung im Kreis wahrgenommen werden muss.

„Die Glocke“: Was heißt das konkret?
Brinkhaus: Wir müssen den Menschen deutlich sagen, dass wir mit unseren starken Ortsverbänden sowie den verschiedenen Gruppierungen ein lebendiger Verband sind, der seine Ideen von der Basis bezieht und keine Hinterzimmerpolitik betreibt, sondern die Bürger mitnehmen will. Das offene Auswahlverfahren für die Bundestagskandidatur war ein erster richtiger Schritt, die künftige Direktwahl von Kandidaten durch die Mitglieder ist der zweite. Ich bin auf die Premiere bei der Aufstellung der Landtagskandidaten im Herbst sehr gespannt.

"Fünf-Prozent-Hürde auf lokaler Ebene ist sinnvoll"

„Die Glocke“: Sie glauben also, dass die derzeitigen Parteiaktivitäten nicht ausreichen, um auf Dauer zu bestehen?
Brinkhaus: Das ist so. Wir müssen uns strategisch neu aufstellen und näher an die Menschen rücken. Deswegen haben wir in dieser Woche auch eine Arbeitsgruppe unter Führung von Dr. Christine Disselkamp eingerichtet. Ein einfaches „Weiter so wie bisher“ reicht trotz der guten Arbeit der Vergangenheit nicht.

„Die Glocke“: Warum nicht?
Brinkhaus: Weil wir zunehmend den Druck der kleineren Parteien zu spüren bekommen werden. Eine Zersplitterung der politischen Arbeit macht dauerhafte Lösungen aber immer schwieriger. Deswegen kämpfe ich für eine starke CDU als handlungsfähige Alternative und halte auch die Fünf-Prozent-Hürde auf kommunaler Ebene für sinnvoll.

„Die Glocke“: Mehr auf die Bürger zugehen heißt auch, sie mehr mitbestimmen zu lassen?
Brinkhaus: Ja, bei besonderen Projekten ist das wichtig und richtig. Beim Theaterneubau in Gütersloh haben wir das versäumt, beim Einkaufszentrum wollen wir das anders machen.

„Die Glocke“: Turbulenzen in Borgholzhausen und Werther, kein Bürgermeisterkandidat in Langenberg: In welcher Verfassung ist die Kreis-CDU im Superwahljahr?
Brinkhaus: Differenzen gibt es immer mal. Insgesamt sind wir jedoch gut aufgestellt und haben tolle Kandidaten aus allen Bevölkerungsschichten. Dass die CDU in Langenberg keinen eigenen Bewerber ins Rennen schickt, ist eher ein Zeichen von Stärke und belegt, dass es uns um die Sache und nicht um Personen geht.

„Die Glocke“: Derzeit stellt die CDU 5 von 13 Bürgermeistern. Wie viele werden es nach der Kommunalwahl sein?
Brinkhaus: Mehr. Auf eine konkrete Zahl kann und will ich mich nicht festlegen. Aber alle unsere Kandidaten sind in der Lage, die Amtsinhaber zu verdrängen. Viele der Kommunen, in denen wir nicht den Bürgermeister stellen, verkaufen sich derzeit unter Wert. Alle Kommunen sind mir wichtig. Es wäre aber besonders klasse, wenn wir die Kreisstadt zurückholen könnten.

„Die Glocke“: Zur Bundestagswahl: Sind Sie sicher, dass Sie gegen Klaus Brandner gewinnen werden?
Brinkhaus: Ja, als Neuer werde ich dafür aber bis zum Schluss kämpfen müssen. Brandner ist schon lange dabei und ein ernstzunehmender Gegner. Seit Dezember habe ich als Kandidat schon bei rund 100 Terminen Flagge gezeigt.

„Die Glocke“: Warum ist es für Sie reizvoller, Berufspolitiker als Steuerberater zu sein?
Brinkhaus: Weil ich helfen möchte, wichtige Zukunftsweichen für unsere Gesellschaft neu zu stellen. Wir müssen in vielen Bereichen umsteuern, insbesondere bei der Wirtschafts- und Steuerpolitik, aber auch in Sachen Umwelt, Soziales und Gesundheit. Dafür und für mehr Eigenverantwortlichkeit der Menschen möchte ich kämpfen.

„Die Glocke“: Kreisvorsitz, Bundestagsabgeordneter, Ratsvorsitzender in Gütersloh – ist das nicht ein bisschen viel?
Brinkhaus: Wir warten erst einmal die Wahlen ab. Der Fraktionsvorsitz in Gütersloh ist allerdings keine Dauerlösung, zumal die Arbeit dort auch heute schon keine One-Man-Show, sondern auf mehrere Schultern verteilt ist. Alles Weitere werden wir im Herbst sehen. Das Ratsmandat ist mir allerdings wichtig, um die Bodenhaftung zu behalten.

„Die Glocke“: Was sagt ihre Partnerin zu Ihrem immer rastloser werdenden politischen Leben?
Brinkhaus: Sie trägt das zum Glück mit, weil sie auch sieht, dass mir das wahnsinnig viel Spaß macht.

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