"Unger zittert sich zum Sieg – CDU-Herausforderer Heiner Kollmeyer liegt 15 Minuten lang vorn" (Presseschau)

  • Küsschen zum knappen Sieg.

  • Auf Augenhöhe.

  • Es gab auch Applaus für das Wahlergebnis.

  • Wibke Brems war sichtlich mit ihrem Ergebnis zufrieden.

  • Medienvertreter am späten Abend.

  • Das wird nicht reichen …

  • Ex-Stadtdirektor Wixforth weiß noch immer, wo es langgeht.

  • Beredter Blick.

  • Viel Zuversicht am Beginn der Wahlparty im Brauhaus.

  • Bewegung für Gütersloh – Kollmeyer auf dem Weg ins Brauhaus.

  • Plattform-Partner in Bewegung.

Unter obiger Überschrift berichtet das „Westfalen-Blatt“ über die Kommunalwahl. Nachfolgend finden Sie Auszüge aus der Berichterstattung der drei Gütersloher Lokalzeitungen.

„Westfalen.Blatt“:
Von Stephan Rechlin – Gütersloh (WB). Eine Viertelstunde lang hat Gütersloh gestern einen CDU-Bürgermeister gehabt. Zwischen der fünften und der 17. Schnellmeldung lag Herausforderer Heiner Koll- meyer vor Amtsinhaberin Maria Unger. Dann aber holte die Favoritin Prozentpunkt für Prozentpunkt auf.

So spannend wie die Kommunalwahl 2009 ist schon lange keine politische Entscheidung mehr in Gütersloh verlaufen. Zur 18. Schnellmeldung steht es unentschieden zwischen den beiden Kontrahenten: 40,8 zu 40,8 Prozent. Gegen 19.15 Uhr begrüßt Maria Unger die Gäste im und vor dem Haupteingang des Rathauses mit einem schüchternen Druck aus einer kalten Hand. Dann verschwindet sie wieder in ihr Büro, in dem sie den Krimi mit ihrem Mann Manfred und SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Thomas Ostermann vor dem Bildschirm verfolgt. Mit der 30. von 76 Meldungen zeichnet sich der Sieg Ungers ab. Das ist gegen 20.47 Uhr. Dennoch wartet Unger mit ihrem Auftritt in der Wahllobby des Rathauses, bis Rechtsdezernentin Christine Lang das amtliche Endergebnis verkündet: 42,8 Prozent für Maria Unger, 39,3 Prozent für Heiner Kollmeyer.

(…)

CDU-Herausforderer Heiner Kollmeyer bleibt bis zur Gratulation seiner Kontrahentin ein professioneller Wahlkämpfer. Er hat Blumen dabei, findet ein paar nette Worte und weist in seinem Statement nicht etwa auf den verheerenden Stimmenverlust Ungers im Vergleich zur Wahl 2004 hin (minus 8,2 Prozent), sondern auf seinen sechsprozentigen Zugewinn: »Wir haben einen tollen Wahlkampf geführt, der in Gütersloh gut aufgenommen worden ist. Der Zugewinn ist das Ergebnis einer geschlossenen Mannschaftsleistung.«

Ebenso professionell gratulieren Wibke Brems (Grüne) und Peter Kalley (UWG), zwei weitere Kandidaten. Nur Norbert Morkes (BfGT) lehnt offenbar auch diese Inszenierung ab - er ist an diesem Tag nicht in der Wahllobby zu sehen.

Kommentar: Eine starke Position
Die erste katholische Frau an der Spitze der Stadt Gütersloh seit der Reformation bleibt für weitere sechs Jahre im Amt. Maria Unger hat es zum dritten Mal geschafft, hat zum dritten Mal eine Bürgermeisterwahl gewonnen. Ja, sie hat gewackelt. Doch am Ende sind 3,5 Prozent Vorsprung vor dem Herausforderer mehr als 8,2 Prozent Verlust gegenüber der Wahl von 2004.
Gütersloh behält damit eine Frau an der Spitze, die gut zehn Jahre lang geübt darin ist, ohne eigene Ratsmehrheit eine Stadt zu regieren. Dieser Spagat wird auch im neuen Rat erforderlich. CDU und Grüne kommen zusammen auf 29 Sitze, so viel wie SPD, BfGT, FDP, und Linke gemeinsam auch aufbringen. Für eine Mehrheit braucht Schwarz-Grün noch mindestens eine Stimme. Das stärkt die Bürgermeisterin. Ihre Aufgaben werden dadurch nicht leichter. Sie muss in den kommenden Jahren ein bereits beschlossenes Sparpaket umsetzen und schon im Herbst ein neues auf den Weg bringen. Immerhin bleibt damit jene Person in der Verantwortung, die mit ihrer Politik zu dieser Situation beigetragen hat. Das mag die CDU und ihren Spitzenkandidaten ein wenig trösten. Stephan Rechlin

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„Neue Westfälische“:

Es ist wohl das spannendste Kopf-an-Kopf-Rennen in der jüngeren Kommunalgeschichte Güterslohs. Zeitweise hat Ungers Kontrahent Heiner Kollmeyer sogar die Nase vorn. Mit 42,8 Prozent der Stimmen behauptet sich Maria Unger zwar, doch gegenüber 2004 verliert sie deutlich – um fast neun Prozent.

(…)

Heiner Kollmeyer, der ihr mit 39,3 Prozent der Stimmen dichter auf den Fersen war, als je ein CDU-Kandidat zuvor, betritt die Lobby, als er noch fast gleichauf mit Unger liegt. Gespannt verfolgt er auf der großen Leinwand die Zwischenergebnisse.

Seine Freude, am Ende sechs Prozent mehr als frühere CDU-Kandidaten geholt zu haben, ist da, hält sich aber in Grenzen. „Ich bin zufrieden, auch wenn es nicht gereicht hat“, sagt er. CDU-Stadtverbandschef Raphael Tigges spricht von einem „ganz hervoragenden Ergebnis“. Dass die CDU sämtliche Gütersloher Wahlbezirke direkt gewonnen hat, bestätigt ihn.

(…)

Bei der Ratswahl zeigt sich in Gütersloh ein ähnlicher Trend wie landesweit: Die Kleinen gewinnen, die Linken ziehen ins Parlament ein, die großen, vor allem die SPD verlieren. Eine Mehrheit hat die CDU mit 23 Sitzen auch diesmal nicht, sie braucht erneut Partner. Doch selbst, wenn sie auf den bewährten Partner Grüne setzt, reicht das nicht aus – aber zusammen mit der UWG würde es reichen.

Kommentar: Warnsignal für Unger
Von LUDGER OSTERKAMP – In allen Rathäusern im Kreis haben die Amtsinhaber überlegen gewonnen, nur in Gütersloh nicht. Hier musste Maria Unger bis zum Schluss zittern. Die Bürgermeisterin darf das durchaus als Warnsignal verstehen.

Mit ihrer Amtsführung sind längst nicht mehr so viele Bürger einverstanden wie noch vor fünf Jahren. Dass die Stadt, vom Theaterneubau abgesehen, in vielen Dingen auf der Stelle tritt, dürften ihr manche Wähler krumm genommen haben. Allein ihre Popularität, die sie zurecht genießt, hat sie gerettet.

Kollmeyer hat sich als starker Konkurrent erwiesen. Viele Christemokraten, auch er selbst, hatten sich gar Siegchancen ausgerechnet. Bei aller Freude, sämtliche Wahlbezirke gewonnen zu haben, bei vielen CDU’lern war Enttäuschung auszumachen.

Dabei verlief der Abend, von Unger abgesehen, wesentlich enttäuschender für die SPD. Sie hat vier Prozent verloren, offenbar vor allem an die Linken . Vor fünf Jahren hatten die Sozialdemokraten noch sechs Wahlbezirke gewonnen, diesmal keinen einzigen. Gütersloh ist flächendeckend in schwarzer Hand, das ist eine der Offenbarungen dieser Wahl.

So bleibt das Politikgemenge im Gütersloher Rathaus wie gehabt. Eine konservative Mehrheit regiert gegen eine sozialdemokratische Bürgermeisterin. Nicht dass der in den vergangenen Jahren vielerorten zu beobachtende Stillstand unbedingt darauf zurückzuführen sein muss – aber es wäre tragisch, sollte es aus diesem Grund nun erneut nicht vorangehen. Baustellen genug gibt es.

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„Die Glocke“:

Die Spannung im Foyer des  Rathauses, das als Wahllobby geöffnet  war, erreichte gegen 20.40  Uhr einen ersten Höhepunkt.  Während Maria Unger nach den  Meldungen aus den ersten Wahlbezirken  mit rund sechs Prozentpunkten  in Führung lag, wendete  sich nach kurzer Zeit das Blatt.  Heiner Kollmeyer lag knapp vor  der SPD-Kandidatin. „Jetzt wird  es eng“, kommentierte ein Bürger,  der die Auszählung im Rathaus  verfolgte und meinte damit:  eng für Maria Unger.  Die folgenden Ergebnisse  der Auszählungen  brachten keine Veränderung.  Zeitweise  hauchdünn, mit einem  Abstand von 0,04 Prozentpunkten,  lag Kollmeyer  im Rennen um  das Bürgermeisteramt  vorn. Die Wahllobby im  Rathaus füllte sich nach und  nach. Die Bürger in den hinteren  Reihen reckten die Hälse. Nur  sehr langsam trudelten die Ergebnisse  aus den einzelnen Wahlbezirken  ein und während in anderen  Gemeinden wie Harsewinkel,  Versmold oder in der Nachbarstadt  Bielefeld die neuen Bürgermeister  schon gefeiert wurden,  wurde in Gütersloh noch  gezählt.  

Dann ein erneuter Umschwung:  Nach den Ergebnissen  aus dem 21. Wahlbezirk lag Maria  Unger wieder vorn. Mit 41,52 Prozent  gegen 40,5 Prozent für Heiner  Kollmeyer setzte sich die  Amtsinhaberin an die Spitze. 

Nach dem Endergebnis der  Bürgermeisterwahl, das die Erste  Beigeordnete Christine Lang gegen  22 Uhr verkündete, durfte  sich nicht nur Maria Unger über  tosenden Beifall freuen. Mit jubelnden  „Heiner, Heiner“-Rufen  wurde Heiner Kollmeyer bedacht,  als Christine Lang seine  Zahlen vortrug. „Wir können alle  stolz sein, auf den Wahlkampf  und das Ergebnis“, sagte Heiner  Kollmeyer und gratulierte der alten  und neuen Bürgermeisterin.  „Es war ein langer Wahlkampf  und für mich ein Wechselbad der  Gefühle.“

  Ingrid Tiedtke-Strandt, Vorsitzende  der SPD-Fraktion erklärte  zum Wahlsieg der Bürgermeisterin:  „Es ist toll, wie sich Maria  Unger wieder gegen die Mitbewerber  durchgesetzt hat. Er ist  für sie ein großer persönlicher  Erfolg.“ 


Kommentar: Maria Unger triumphiert
Von unserem Redaktionsmitglied GERRIT DINKELS – Triumph für Maria Unger! Die 56-jährige Amtsinhaberin hat sich nicht nur vom Negativtrend der SPD abgekoppelt. Sie hat sich auch zum dritten Mal gegen einen christdemokratischen Herausforderer durchgesetzt und wird nun ihre dritte, diesmal sechsjährige Amtszeit als hauptamtliche Bürgermeisterin antreten. Zwar hat auch sie wie schon vor fünf Jahren Stimmen eingebüsst. Aber ihrem Herausforderer Heiner Kollmeyer von der CDU ist es wieder nicht gelungen, das gesamte bürgerliche Wählerpotenzial zu mobilisieren. Offenbar gibt es auch dort viele Wähler, die die moderierende und bürgernahe Amtsausübung der Bürgermeisterin zu schätzen wissen. Und möglicherweise hat sich Kollmeyer, der für einen dynamischeren Führungsstil warb, nicht überzeugend genug als Gegenmodell in Szene gesetzt. Letztlich hat es nicht gereicht, der Vorsprung war zu groß.

Weniger spektakulär: die Wahlen zum Stadtrat. Erwartungsgemäß ziehen alle sieben Parteien und Vereine in die Bürgervertretung ein. Die CDU hatte schon vor der Wahl angekündigt, gegebenenfalls die Zusammenarbeit mit den Grünen in der „Plattform“ fortsetzen zu wollen. Die Union hat sich zwar als stärkste Kraft behauptet, ist aber auch künftig auf Mitstreiter angewiesen. Dass dabei nicht die FDP als natürlicher Partner die erste Geige spielen wird, hängt auch mit Persönlichkeiten zusammen und damit, dass die FDP die Union mit ihrer Ablehnung einer moderaten Gewerbesteuer- Erhöhung gegen sich aufgebracht hat. FDP und Grüne verdanken ihre Ergebnisse auch dem Rückenwind auf Bundesebene. Die Linken werden künftig als siebte Kraft im Ratssaal sitzen, was die Debatten noch ein wenig bunter, sicherlich aber nicht einfacher machen wird. Die BfGT konnten sich nach dem Verlust von drei Ratsmandaten durch drei Abweichler in den vergangenen Jahren regenerieren. Das haben sie wohl in erster Linie ihrer Kritik am neuen Theater und den Kosten zu verdanken

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