CDU-Ratsfrauen zur Diskussion um Betreuungsplätze - Angebote sind wichtig, reichen aber nicht aus (23.02.07)

Unter obiger Überschrift berichtet "Die Glocke":
Von REGINA BOJAK - Gütersloh (gl). Wenn Brigitte Hagenlüke (CDU) sich zu einer Ratssitzung verabschiedet, übernimmt ihr Mann Franz die Aufsicht über die fünf Kinder der Tagespflege. Die eigenen Söhne Andreas (28), Carsten (24), Sebastian (18) und Pflegesohn Sören (16) wohnen zwar noch auf dem Hof an der Sürenheider Straße, sind aber längst selbstständig. Als sie noch klein waren, haben sie die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Mutter genießen dürfen. Einen Betreuungsplatz, wie Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihn für alle Kinder, auch für die unter Dreijährigen fordert, haben die Hagenlüke- Söhne und Tochter Christiane nie benötigt.

Die Geflügelschlachtung mit heimischer Vermarktung erlaubte es Brigitte Hagenlüke, mitzuarbeiten und doch für die Kinder da zu sein. „Außerdem waren auch meine Schwiegereltern auf dem Hof“, sagt die ausgebildete Erzieherin. Als ein Kind besondere Förderung benötigte, zog sie sich ganz aus dem Berufsleben zurück. „Später lief das Geschäft auch ohne mich. Da habe ich mich zur Tagesmutter ausbilden lassen.“ Jetzt gibt Brigitte Hagenlüke anderen Eltern die Möglichkeit, sich ihrem Beruf zu widmen und die Kinder gut versorgt zu wissen. „Ich finde es wichtig, dass Mütter die Möglichkeit haben zu arbeiten. Allerdings sollten Betreuungsplätze nicht dazu genutzt werden, Kinder abzuschieben.“ Hin und wieder bekomme sie schon mit, dass Mütter ihre Kinder zur Betreuung gäben, um dann in Ruhe Kaffeetrinken gehen zu können. „Da gehören die Kinder dazu“, sagt Brigitte Hagenlüke bestimmt. „Wir müssen jungen Eltern bewusst machen, dass sie die Verpflichtung für die Erziehung ihrer Kinder haben.“

Marita Fiekas wundert sich über die Aussagen einiger Politiker, die wohl nicht verstehen wollten, worum es bei der Forderung nach mehr Betreuungsplätzen gehe. „Es soll damit ja niemand gezwungen werden, die Kinder zur Betreuung zu geben.“ Aber manchmal sei es eben anders nicht möglich. Sie selbst arbeitet in der Zahnarztpraxis ihres Mannes, „flexibel, meist morgens, manchmal auch nachmittags“. Ihre Söhne Frederik (19) und Nikolas (15) sind inzwischen erwachsen, und so hat die CDUFrau an den Nachmittagen Zeit, sich auch noch um die Politik zu kümmern. „Damit habe ich aber erst 1999 angefangen, als meine Söhne schon älter waren.“ Die CDU müsse sich der Herausforderung stellen, wenn Betreuungsplätze nachgefragt würden. Und als Familienministerin sei es von der Leyens Aufgabe, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen.

Monika Paskarbies, stellvertretende Bürgermeisterin, hat nach der Geburt des zweiten Sohnes ihren Beruf als Sportlehrerin aufgegeben. „Dafür habe ich mich in Sportvereinen engagiert“, sagt sie. Und selbstverständlich in der Politik. Heute ist sie unter anderem im Schulausschuss aktiv. Zu der Forderung nach Betreuungsplätzen sagt Monika Paskarbies: „Ich finde es grandios.“ Der Vorschlag von Ursula von der Leyen sei die optimale Lösung. Kinder müssten gut betreut werden, auch wenn beide Elternteile arbeiteten. „Wenn sich Mütter und Väter in ihrer freien Zeit intensiv mit den Kindern beschäftigen, reicht das aus, um den eigenen Erziehungsstil zu verwirklichen.“

„Familie ist durch nichts zu ersetzen“
Ingrid Hollenhorst hat nach der Geburt des zweiten Kindes ihren Beruf aufgegeben. Sie schwärmt von der Zeit, als sie noch im Blumengeschäft der Eltern mitarbeitete, aber auch von der wunderbaren Erfahrung, die Kinder aufwachsen zu sehen. Drei Söhne und eine Tochter gehören zur Familie. Sohn Maik (29) nahm sie mit ins Blumengeschäft. „Das Haus war gleich nebenan. Irgendjemand aus der Familie war immer da.“ Später nahmen die Hollenhorst noch zwei Pflegekinder halbtags in die Familie auf. „Das ich zuhause bleiben konnte, habe ich als großes Glück und als Luxus empfunden.“ Auch wenn das Geld manchmal knapp gewesen sei. Bei der Frage nach den Betreuungsplätzen sei sie zwiegespalten. Einerseits wisse sie aus der Arbeit im Jugendhilfeausschuss, wie wichtig die Unterstützung für Familien sei. Andererseits halte sie es für besonders wichtig, die Eltern fit zu machen, damit sie selbst ihre Kinder erziehen könnten. Wenn Hilfe nötig sei, sollten Staat und Kommune sie natürlich leisten.

„Ich hatte zwei gut funktionierende Omas“, antwortet Petra Demuth auf die Frage, wie sie Beruf und die Erziehung ihrer Kinder Dustin (20) und Isabell (18) unter einen Hut gebracht hat. Sie habe im elterlichen Betrieb, der Weinbrennerei und Domhofdestillerie Carl Stahl, gearbeitet. Dort habe die Familie gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen. Auch der Abend habe den Kindern gehört. „Wenn die Kinder im Bett waren, habe ich zusammen mit meinem Mann die Hausarbeit erledigt.“ Mit drei Jahren seien Dustin und Isabell in den Kindergarten gegangen. „Die Familie ist durch nichts zu ersetzten“, sagt Petra Demuth zur Diskussion um die Betreuungsplätze. Trotzdem hält sie es für wichtig, dass Kinder auch soziale Kontakte zu anderen Jungen und Mädchen bekommen. „Dort lernen sie, sich gegen andere durchzusetzen und vielleicht auch einmal zurückzustecken.“

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