Unter obiger Überschrift berichtet das Westfalen Blatt:
Von Stephan Rechlin - Gütersloh (WB). Das Städtische Klinikum Gütersloh kommt kaum mit den Ausschreibungen nach, so schnell wechseln die Ärzte ihre Arbeitsplätze. Für den Chefarzt der Onkologie und den Pflegedienstleiter sind noch keine Nachfolger gefunden, da verlassen drei weitere Ärzte die Klinik.

Aus der gefäßchirurgischen Klinik folgen ein Oberarzt und ein Funktionsoberarzt (noch ohne Titel) den Rufen von Gilead und dem Krankenhaus Mitte nach Bielefeld. Die Gynäkologie wird künftig auf eine Oberärztin verzichten müssen. Beim Jahresempfang im Städtischen Klinikum kündigte Geschäftsführer Ingo Engelmeyer an, dass intensiv an einer Neubesetzung der freien Stellen gearbeitet werde. An diesem Stand hat sich bis heute nichts geändert, lässt Ingo Engelmeyer auf Anfrage ausrichten.
Unter dem Ärztemangel leidet nicht nur das Gütersloher Haus. Talentierte Schulabsolventen ziehen die Konsequenzen aus der wirtschaftlichen Situation der Klinikärzte und studieren das Fach nicht mehr. Wer gut ist und ungebunden, der arbeitet inzwischen für Krankenhäuser in England, wo drei- bis viermal so hohe Löhne gezahlt werden. Vor allem Assistenzarzt will niemand mehr werden - mehr als ein Dutzend dieser Stellen sind derzeit im Städtischen Klinikum nicht besetzt.

Mit strukturellen Entscheidungen versuchte der Klinikausschuss gestern Abend, die Weichen so zu stellen, dass Gütersloh künftig auch mal als Sieger aus Abwerbungsversuchen hervorgehen kann. Einstimmig votierte der Ausschuss laut Auskunft von Pressesprecherin Susanne Zimmermann für eine Umwandlung der Klinik in eine gemeinnützige GmbH zum 1. April. Im Streit um den Kündigungsschutz sei ein Kompromiss erzielt worden. Danach verzichtet die gGmbH bis zum Jahre 2009 auf betriebsbedingte Kündigungen. Sollte das wirtschaftliche Ergebnis in jenem Jahr und der Ausblick aufs darauf folgende Jahr positiv ausfallen, wird die Garantie bis 2011 verlängert.

Offen bleibt, ob der kaufmännische Leiter Ingo Engelmeyer auch Geschäftsführer der neuen gGmbH wird. Der Ausschuss legte sich dazu gestern nicht fest. Dem Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft sollen neun Mitglieder angehören. Nach dem ausgehandelten Kompromiss erhält die CDU drei Sitze, die Grünen einen. Die SPD bekommt die übrigen zwei Sitze. Die Arbeitnehmer sind mit zwei Mitgliedern vertreten, die Bürgermeisterin erhält einen Sitz. Über die Umwandlungs-Verträge wird der Rat am 30. März abstimmen.

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